Deckblatt

Freimaurerloge

„Archimedes zu den drei Reissbretern“ in Altenburg

Aus der Chronik

 

1742

Gründung der Altenburger Loge am 31. Januar als 7. Loge in Deutschland (nach Hamburg, Dresden, Berlin, Bayreuth, Breslau und Leipzig) durch drei Brüder der Leipziger Loge „Aux trois Compas“ (heute „Minerva zu den drei Palmen“): Albrecht Anton von Rüxleben (1705 – 1750), Johann August Bachoff von Echt (1717 – 1794) und sein leiblicher Bruder Ludwig Heinrich Bachoff von Echt (1725 – 1792). Die Leipziger Loge gehörte zur Dresdner Großloge „Aux trois aigles blancs“ („Zu den drei Weißen Adlern“, heute „Schwerterloge“), die der Neugründung zustimmte. Die Altenburger Loge erhielt den Namen „Aux trois planches à tracer“ („Zum drey Reiss-Brettern“, später auch „Zu den drey Reissbretern“).

Die ersten Versammlungen fanden in der Wohnung des Br. von Rüxleben statt, dann im Palais des Prinzen (heute Stadtarchiv Altenburg) auf dem Schlossberg, später auch in Gasthäusern, z. B. „Zur goldenen Krone“ (Marktgasse Ecke Kronengasse) und „Zum roten Hirsch“ (Topfmarkt Ecke Moritzstraße)

1746

Ludwig Friedrich Lenz gibt das erste deutschsprachige freimaurerische Liederbuch „Freymäurer-Lieder“ heraus. Sein Titelblatt zeigt den Archimedes mit der Umschrift „NOLI TVRBARE CIRCVLOS“.

1775

Unter dem Großmeister und „Landesherren“, Br. Ernst II., Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg, Zugehörigkeit zur Großen Landesloge, Berlin

1785

Trennung von der „Großen Landesloge“ (gemeinsam mit den Logen „Schwarzer Bär“, Hannover, und den Logen in Gotha und Riga). Im Gegensatz zu den meisten Logen der damaligen Zeit wurde die Loge von Einflüssen der Strikten Observanz freigehalten.

1786

Die Loge führt nun den Namen „Archimedes zu den drey Reissbretern“.

1788

Nach dem gescheiterten Versuch, sich der Nationalmutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ in Berlin anzuschließen, erfolgt der Anschluss an den „Eklektischen Bund“ in Frankfurt a. M.

1801

Unter Br. Johann Friedrich Pierer erklärt die Loge feierlich ihre Selbstständigkeit.

1802

Erarbeitung eines neuen Rituals durch Br. Johann Friedrich Pierer

Schriftwechsel mit Br. Friedrich Ludwig Schröder (Hamburg) und mit Br. Ignaz Aurelius Fessler (Berlin)

1803

Errichtung der Deputationsloge „Archimedes zum ewigen Bunde“ in Gera (1803 – 1935)

Herausgabe des „Constitutions-Buchs“, d. h. einer eigenen Logenverfassung

1804

Einweihung des Logenhauses (Kosten: 22.000 Taler)

Herausgabe des „Journals für Freimaurerei“

1809

Errichtung der Deputationsloge „Archimedes zum sächsischen Bunde“ in Schneeberg (1809 – 1933)

1811

Herausgabe der „Zirkelkorrespondenz“ durch Br. Johann Friedrich Pierer

1813

Die Brr. von Blücher, von Scharnhorst und von Ribbentrop nehmen an einer Tempelarbeit und einige Tage später an einer Tafelloge teil.

Die Regierung beschlagnahmt das Logenhaus zur Feier von Napoleons Geburtstag. Anschließend wird das Logenhaus Magazin für Getreide und Kartoffeln, später Lazarett für verwundete Offiziere.

In dieser Zeit finden die Logenabende im Gerlach’schen bzw. Seifensieder Bachmann’schen Haus (Johannisstraße 4) statt.

1814

Wiedereinzug in das Logenhaus nach Fürsprache durch Br. Rosenberg, Adjutant des russischen Kommandanten von Altenburg. Restaurierung des Logenhauses; Ernennung von Br. Fürst Blücher und Br. von Ribbentrop zu Ehrenmitgliedern.

Ab 1816

Die Loge stellt die erforderlichen Räume für die Versammlungen der neu gestifteten „Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes“, des „Kunst- und Handwerksverein“ und der „Pomologischen Gesellschaft“ zur Verfügung. Stifter und Mitglieder dieser Vereinigungen waren zum großen Teil Logenmitglieder.

1820

Gründung des Brudervereins in Eisenberg

1821

Gründung eines Maurerclubs in Rochlitz

1823

Es erscheint für 5 Jahre die „Zeitschrift für Freimaurer“.

1824

Auf Initiative von Br. Carl Friedrich Waitz gründen 32 „Archimedes“-Brüder den „Spar-Kassen-Verein“, die erste Altenburger Sparkasse mit Sitz im Logenhaus.

1837

Herausgabe der Zeitschrift „Der Ziegeldecker“

 

1842

Jahrhundertfeier der Loge; inzwischen hat die Loge „Archimedes“ 642 Mitglieder.

Für 3 Jahre erscheint die Zeitschrift „Maurerhalle“.

1846

Das „Journal für Freimaurer“ wird in „Freimaurer-Zeitung“ umbenannt.

1848

Fortsetzung der Zeitschrift „Der Ziegeldecker“ als „Bruderblätter“

1863

Eine neue Logenverfassung tritt in Kraft.

1870/71

Das Logenhaus wird Lazarett für Kranke und Verwundete des Deutsch-Französischen Krieges.

1875

Die fünf unabhängigen Logen nennen sich nunmehr „Freie Vereinigung der fünf unabhängigen Logen in Deutschland“. Mitglieder sind:

Minerva zu den drei Palmen, Leipzig,

Archimedes zu den drei Reissbretern, Altenburg,

Balduin zur Linde, Leipzig,

Karl zum Rautenkranz, Hildburghausen,

Archimedes zum ewigen Bunde, Gera

(siehe auch 1924).

1892

Aufbau der wertvollen und berühmten freimaurerischen Medaillensammlung (ca. 3.000 Exemplare), die – ebenso wie Deutschlands größte freimaurerische Bücherei, die „Altenburger Logen-Bibliothek“ (ca. 7.500 Titel, darunter fast 130 Eigenveröffentlichungen) – in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren geht.

1895

Für den großen Saal wird eine elektrische Beleuchtung eingerichtet.

1900

Es bestehen 31 Stiftungen mit einem Gesamtkapital von ca. 190.000 Mark. Das Logenvermögen beträgt ca. 90.000 Mark (bei 291 Mitgliedern und einem Jahresbeitrag von 24 Mark).

1906

Umbau und Erweiterung des Logenhauses

1914

Das Logenhaus wird wieder Lazarett.

1924

Die Großloge „Deutsche Bruderkette“ wird von den Logen der „Freien Vereinigung der fünf unabhängigen Logen in Deutschland“ (vgl. 1875) beim „Archimedes“-Stiftungsfest in Arbeit gesetzt. Ihr gehören bis 1933 10 Logen an.

1933

Nach Versuchen, das Logenleben im Nationalsozialismus zu erhalten, treffen sich die Brüder am 20. April 1933 zu einer letzten Logenarbeit. Danach gibt es nur noch allgemeine Treffen.

1934

Das gesamte Logenvermögen wird beschlagnahmt. Das Logenhaus wird „Haus der Jugend“ für die Hitlerjugend (Umbenennung der Straße „Johannisgraben in „Ludendorffstraße“! Heute wieder „Johannisgraben“).

1935

  1. November: Auflösungsbeschluss der Mitgliederversammlung der „ehemaligen Loge Archimedes zu den drei Reißbretern“ in Gegenwart von zwei Gestapobeamten.

1945

Versuch, eine Logenarbeit während der dreimonatigen amerikanischen Besetzung abzuhalten – es bleibt bei dem Versuch.

In der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR sind freimaurerische Aktionen nicht zugelassen.

1960

Im Logenhaus sind inzwischen Seminarräume und die Mensa des Instituts für Lehrerbildung untergebracht.

1992

Gründung des Logenvereins „Archimedes zu den drei Reißbretern“ in Dortmund, um die Restitutionsansprüche der Loge zu sichern.

1997

Rückübertragung des Logenhauses und des Grundstücks an die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D. e.V.) (bis 2000)

1999

Beginn der Reaktivierung der Loge durch den Distrikt Baden-Württemberg der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D. e.V.)

2000

Oktober: Aufnahme von 10 Altenburgern durch die Ulmer Loge „C. D. Hassler“ und die Stuttgarter Loge „Sarastro“
18. November: Reaktivierung der Loge „Archimedes zu den drei Reißbretern“

2002

Januar: 260. Stiftungsfest
Mai: Großlogentag der Großloge A.F.u.A.M.v.D. e.V. im Altenburger Logenhaus

2005

Mai: Großlogentreffen der Großloge A.F.u.A.M.v.D. e.V. im Altenburger Logenhaus

Oktober: Arbeitstagung der Forschungsloge Quatuor Coronati in Altenburg

2014

  1. Mai: Wechsel vom Distrikt Hessen-Thüringen zum Distrikt Sachsen
  2. September: Reaktivierung der Loge „Archimedes zum sächsischen Bunde“ i. O. Schneeberg mit Unterstützung durch die Loge „Archimedes zu den drei Reissbretern“

 

 

 

Tochterlogen:      „Archimedes zum ewigen Bunde“, Gera (1803 – 1935)

                         „Archimedes zum sächsischen Bunde“, Schneeberg (1802 – 1933)

 

Brudervereine (Maurerclubs) bestanden in:

                Borna

                Eisenberg (in die Loge „Archimedes am Waldeshügel“ überführt; 1897 – 1933)

                Gößnitz

                Greiz (in die Loge „Lessing zu den drei Ringen“ überführt; 1857 – 1935)

                Kahla (in die Loge „Archimedes zur leuchtenden Burg“ überführt; 1896 – 1935)

                Meuselwitz

                Prag

                Rochlitz

                Ronneburg

                Schmölln

 

 

Weitere Vereinsgründungen durch Mitglieder der Loge:

                Literarische Gesellschaft Altenburg

                Pomologische Gesellschaft Altenburg

                Kunst- und Handwerkerverein im Herzogtum Altenburg

                Geschichts- und Altertumsforschende Gesellschaft des Osterlandes

                Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes

                Bienenzüchterverein Altenburg e. V.

                Spar-Kassen-Verein (vgl. 1824)

 

                Anfänge der Berufsausbildung für das Altenburger Land im Logenhaus

                Das Skatspiel wurde ab 1813 in Altenburg kreiert und gepflegt, u. a. durch die Altenburger Brr. Carl Ludwig

Schuderoff; Friedrich Ferdinand Hempel und Hans Carl Leopold von der Gabelentz.

 

 

 

Quellenverzeichnis:

 

Baade, H.: Zum Erbe der Freimaurerei in Altenburg. In: ALTENBURGER Geschichts- und Hauskalender 1995. Altenburg 1995, S. 93 ff.

 

Dietrich, E. G.: Geschichte der unabhängigen Loge ARCHIMEDES ZU DEN DREI REISSBRETERN in ALTENBURG vom 31. Januar 1742 bis zum 30. Januar 1901 . Altenburg o. J. (1901)

 

Hiller, G.: … mit guten Karten – Aus der Altenburger Sparkassengeschichte. Altenburg 1995

 

Hohl, W. G.: Am 30. Januar gingen die Lichter aus. (Aus der Arbeit der Joh.-Loge „Archimedes zu den drei Reißbrettern“ i.Or. Altenburg). München 1985

 

Lauber, P.: Die Geschichte der Freimaurerloge „Archimedes zu den 3 Reißbretern“ i. O. Altenburg. In: ALTENBURGER Geschichts- und Hauskalender 2000. Altenburg 2000, S. 130 ff.

 

Lennhoff, E.; Posner, O.; Binder, D. A.: Internationales Freimaurerlexikon. Wien 1932

 

Lenning: Allgemeines Handbuch der Freimaurerei. Leipzig 1900

 

Wildt, E.; Lauber, P.: Archimedes zu den drei Reissbretern im 20. Jahrhundert. Altenburg 2002